Wiedereröffnung der Pfarrkirche St. Clemens

Mit der Wiedereröffnung der Pfarrkirche und dem damit zur Verfügung stehenden größeren Raum wird bis zum Ende jeglicher Pandemie-Einschränkungen die
Kirche Alt St. Clemens für Sonntags- und Werktagsgottesdienste nicht mehr genutzt. Diese werden ab dem Zeitpunkt grundsätzlich in die Pfarrkirche verlegt. Das hat mit der räumlichen Enge zu tun und dem lästigen Zwang der Voranmeldung. Lediglich Beerdigungsgottesdienste im kleineren Kreis und Trauungen werden – so gewünscht - weiterhin in Alt St. Clemens stattfinden. Und natürlich bleibt Alt St. Clemens jeden Tag wie gewohnt für das persönliche Gebet geöffnet. Damit entfällt nun die Notwendigkeit der vorherigen Anmeldung zu einem der Gottesdienste. 

 

Wenn Sie an einem unserer Präsenzgottesdienste teilnehmen möchten, können Sie hier das Formular zur Datenerfassung herunterladen, bereits zu Hause ausfüllen und zum Gottesdienst mitbringen. Es liegen außerdem Formulare in den Kirchen bereit.

 

Erläuterung zur Umgestaltung der Pfarrkirche
In den nächsten Wochen werden wir an dieser Stelle thematisch unterteilte Erläuterungen zur Umgestaltung der Pfarrkircheveröffentlichen. Es beginnt heute mit dem Thema: 


I. Liturgische Umgestaltung
Unangetastet blieben die Altarinsel selbst und die Stellung des Zelebrationsaltares sowie das Beichtzimmer.


1. Auch die Sitzbänke im Bereich des Hauptschiffes blieben an ihrem Ort, jedoch wurden sie in ihrer Anzahl reduziert um mehr Platz zu haben zwischen den Bänken. Die „Kniewände“ vor den ersten Bänken wurden komplett entfernt, um den Raum offener zu gestalten (Platz für die Brautbank bei Trauungen oder den Sarg bei Beerdigungen)


2. Vorher: Liturgische Ausgestaltung von der Rückwand des Altarraumes bis zur Höhe der vordersten Altarstufe.
Keine Akzente im Hauptschiff. Eine Situation wie im Theater mit Bühne und Zuschauerraum. Die eigentlich vorhandenen Akzente der Seitenschiffe zum Beispiel – die Apsis im Ostchor, das Verklärungsfenster mitsamt Kreuzweg im Westchor – fielen aufmerksamkeitstechnisch hinten über. Das Ziel: Eine Ausgestaltung und Nutzung in die Gesamtheit des Raumes hinein: der eine Kirchraum, der zugleich viele kleine „Kapellen“ hat mit unterschiedlichen Funktionen und Rückzugsmöglichkeiten.


3.Die Lampen hingen sehr tief. Eine eigene Ausleuchtung des Gewölbes gab es zudem nicht. Das drückte die Optik des Raumes nach unten. Seine Höhe und Weite fanden gar nicht statt.


4. Ausgangspunkt aller Überlegungen zur liturgischen Umgestaltung war der Wunsch nach einer neuen Sakristei-Tür direkt zum Kirchraum, damit der liturgische Einzug und die Toilettengänger sich nicht mehr gegenseitig im Weg stehen.

 

5. Der sich bis dahin dort befindliche Seitenaltar mit der Grablege von Kaplan Bernhard Poether wurde mit dem Tabernakel kombiniert und zu einer Sakramentskapelle in der bisherigen Taufkapelle gestaltet. Die Ornamentik des Tabernakels mit der Sonne und dem Anker wurde aus Bronze (bisher Holz) nachempfunden und die Urne Kaplan Poethers im Altar sichtbar gemacht. Die von Tobias Kammerer gestaltete Rückwand zieht den Blick nach oben in die Leichtigkeit des Himmels (vgl. Farbkonzept im Kontext zur Architektur). Die Silberfläche hinter der Poether- Gedenktafel bringt zum Ausdruck, dass wir im Lebenszeugnis von Kaplan Poether einen der Seligsprechung würdigen Zeugen des Glaubens sehen. Stühle ermöglichen den Rückzug zum Gebet.


6. Die Figur der Grablege Jesu ist wieder an ihren Platz genau zwischen den Gedenktafeln der Weltkriegstoten an der Sakristei-Tür zurückgekehrt.


7. Das bisher in dieser Kapelle stehende Taufbecken ist in die kleine Apsis im Ost-Chor gezogen und hat eine großzügige freie „Plaza“ bekommen, damit auch eine größere Taufgesellschaft
um das Becken Platz findet. Damit rückt der Taufort, und mit ihm die Taufe selbst, wieder mehr in den Blick der Gemeinde. Der freie Platz kann bei anderen Gottesdiensten auch von Chören  und Musikgruppen genutzt werden oder aber er wird aufgestuhlt für große Liturgien.


8. Im Westchor sind die Bänke gegen Stühle ausgetauscht worden, um eine doppelte Nutzung zu ermöglichen. Sind die Stühle dem Hauptschiff zugewandt, gehört das Chor zur Hauptkirche. Werden sie zum Kreuzweg hin gedreht, entsteht eine eigene kleine Werktags- oder Andachtskapelle. Beim Beten des Kreuzweges könnte man dann sogar die Stationen betrachten, die mit ihren impressionistischen Darstellungen für die damalige Zeit der Erbauung hochmodern waren und sehr eindrucksvoll sind.


9. Auch für die Mutter Gottes endet das (doppelte) Säulendasein in unserer Kirche, und sie bekommt ihren eigenen gestalteten Platz im Eingangsbereich der Kirche mit der Möglichkeit, zurückgezogener bei ihr verweilen zu können und Kerzen zu entzünden.


10. Die Sakristei ist komplett renoviert und hat „neue“ historische Sakristei-Möbel bekommen, die aus der Zeit der Erbauung der Kirche stammen. Diese kommen ursprünglich aus der Kirche in Ennigerloh.


Komplett erneuert wurden:

  • Elektrik und Beleuchtung mit vielfältigen Lichtszenarien für unterschiedlichste Gottesdienstsituationen
  • Installation von Beamer-Technik für die Nutzung von Medien im Gottesdienst
  • Einbau einer digitalen Beschallungsanlage
  • Neue Heizung – Erdgas
  • Künstlerische Ausgestaltung der Rosettenfenster und der Bemalung
  • Aufarbeitung der Bodenbeläge – teilweise Erneuerung in der Taufkapelle und am Sakristei-Aufgang
  • Reinigung der Bestandsfenster
  • Restaurierung der Holzfiguren
  • Restaurierung aller liturgischen Gegenstände
  • Entfernung einer verrutschten Dämmschicht oberhalb des Gewölbes

II. Farbkonzept in der St. Clemens-Kirche
1. Grundsätzlich ist die Kirche, wie sie 1912/1913 durch den Architekten Ludwig Becker errichtet wurde, ein Mix unterschiedlicher Baustile. Im Wesentlichen ist sie jedoch neoromanisch. Die Romanik (bis zum 12./13. Jahrhundert typisch, bis sie von der Gotik abgelöst wurde), zeichnet sich aus durch eine gerade Linienführung und eine wuchtige Erscheinung. Auch Rundbogenfenster sind typisch. Im Falle von St. Clemens wird diese Strenge jedoch schon an der Außenfassade aufgebrochen durch Jugendstilelemente, zum Beispiel an den beiden Türmen und der Dachkrempe an der Nordseite der Kirche zur Bücherei hin. Also schon nach außen hin zeigt sie Spannung von Klarheit und Verspieltheit. Dieses Grundprinzip setzt sich im neuen Farbkonzept der Kirche innen fort.


2. Die Schlichtheit des bisherigen Farbkonzeptes sollte grundsätzlich erhalten werden, jedoch ergänzt werden durch gezielte farbliche Akzente. Die Grundfarbe ist ein Natur-Weiß, das je nach Lichteinfall unterschiedlich reflektiert.


3. Die Säulen und das Kreuzrippengewölbe imitieren nun nicht mehr Sandstein, denn dort ist keiner. Die gräulichen Töne mit angedeutetem Fugenstrich sind einem warmen, erdigen hellen braun-beige gewichen. Wer genau hinschaut, bemerkt, dass es an den Sockeln satt beginnt und zu den Schlusssteinen hin blasser wird. Das führt den Blick nach oben. Eine Ausleuchtung des Gewölbes durch Lichtbänder auf den  Obergadensimsen sowie die zur Decke hoch gezogene Hauptbeleuchtung unterstützen diese Blickführung. Der Blick soll in die Höhe und in die Weite geleitet werden. 


4. Dem Gewölbe kommt in der mittelalterlichen Kirchenarchitektur eine besondere Bedeutung zu. Sie steht für den Himmel, den Ort Gottes, die österliche Vollendung. In der Urausmalung der Kirche von 1913 hatte die Kirche dort auch tatsächlich ein Sternenfirmament. Hier knüpft die Ausmalung der Gewölbe und Conchen durch Tobias Kammerer an.


5. Dominierend sind Gelb- und Goldtöne. Gold ist die Symbolfarbe für Himmel und Ort Gottes, vgl. den Goldhintergrund der griechischen oder russischen Ikonen. Gelb steht für Sonne und Licht und ist damit ein Symbol für Christus: „Ich bin das Licht der Welt“. In Jesu Wirken und Lehren wird der Himmel geöffnet und schon auf der Erde sichtbar. Gelb und Gold verkünden schlicht die Botschaft: Gott ist da. Du bist hier in seiner Gegenwart.


6. Nun sind nicht nur einfach gelbe und goldene Flächen erzeugt worden, sondern eine Art verspieltes Chaos von geschwungenen Linien, die die Schwere und Starre der romanischen Architektur im ganzen Aufweichen und in Bewegung bringen. So lenken sie unseren Blick noch einmal mehr nach oben.


7. Mit Ostern, Vollendung, Auferstehung und Erlösung sind Dinge wie Leichtigkeit, Lebendigkeit, Schwerelosigkeit, Helligkeit, Freude, Jubel und Tanz unsere zentralen Assoziationen. Sie finden hier unmittelbaren Ausdruck. Es geht um unsere himmlische Vollendung, das ewige Leben bei Gott.

 

8. Unterstützt wird dies durch ein kleines Detail. Zwischen den Fenstern der Kirchenmauern sind Führungslinien, die in grau gezeichnet sind und rot abschließen. Unten im Mauerwerk sind sie streng romanisch gerade. In den Rosettenfenstern und in den Ausmalungen tauchen sie wieder auf. Allerdings weichen sie dort auf und schwingen sich ein in die Leichtigkeit und Bewegung der Farben.


9. Dominant an der Front des Altarraumes beginnt auch schon die Ausmalung im unteren Bereich der Kirche. Allerdings entwickelt sie sich hier aus unterschiedlichen Rottönen heraus, die im Gewölbe fehlen. Sie stehen im direkten Kontakt zu den 12 Aposteln, die davor frei schwebend ihren angestammten Platz behalten haben. Sie sind die Weggefährten Jesu, die ersten Zeugen, und damit die Säulen, auf denen unsere Kirche sich stützt. Sie alle haben mit ihrem Leben für das, was sie gehört und gesehen haben, eingestanden. Wir glauben, dass die Heiligen vollendet sind in Gottes Herrlichkeit. Das Rot symbolisiert ihren Märtyrertod, das nach oben hin übergeht in das Gold und Gelb des himmlischen Bereichs.
Und damit ist es zugleich ein Bild dafür, was wir im Leben auch als Glaubende so manches zu erleiden und zu erdulden haben. Wir finden die Kraft für diese Wege aus der Hoffnung heraus, die die Leben spendende Gegenwart Gottes im Leben und im Tod, wie das Bei-uns-bleiben Jesu uns schenken.


10. Auf der Westwand der Kirche unter der Orgelempore findet sich nun noch einmal das bewegte Farbspiel des Gewölbes in Blau wieder. Blau ist die Symbolfarbe der Gottesmutter und stellt so den direkten Bezug zur Marienfigur davor her. Durch sie ist Gott in Jesus Mensch geworden. Sie führt uns mit ihrem Lebenszeugnis hin zu ihrem Sohn. Hier geht es also um die Begegnung mit IHM durch die Person und „die Brille“ Mariens.
Als unsere Fürsprecherin ist sie ein ganz besonderer Zugang zu Gott in unseren Anliegen, Bitten, Nöten und Freuden.