Ökumenisches Bibelgespräch digital

Ökumenisches Bibelgespräch 2021 (11)

 

„Schweige und höre“  -  Lukas 10,38-42

 

Ein japanisches Gedicht hält eine Beobachtung fest: „Wollt das Glühwürmchen greifen / es erlosch. Als ich still hielt, ganz still / da leuchtet‘s wieder“. - Manche werden soetwas ähnlich erfahren haben und erfahren, andere nicht oder noch nicht. Mir scheint, das Lukas-Evangelium (und nur Lukas!) überliefert eine Szene, die der Erfahrung des kleinen Gedichtes verwandt ist.

 

38 Als sie weiterzogen, kam er in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. 39 Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. 40 Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! 41 Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. 42 Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.

Luka 10, 38-42

 

Kurz: Spüren wir heraus, wofür wir Zeit haben sollten? Und haben wir sie dann?

 

Das fällt nicht erst heute schwer, sonst gäbe es diese Geschichte von Marta und Maria nicht! Wir sind beschäftigt, besetzt, abgelenkt.    Begegnung lebt von der Aufmerksamkeit, von der „Zuneigung“; sonst wird sie oberflächlich, vielleicht sogar verletzend. ...

 

Unsere Geschichte sagt: Maria kann zuhören, mehr noch „sie setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu“, d.h. sie will bei ihm und von ihm lernen, „zur Schule gehen“. Und Jesus hält das für wichtig, erstwichtig sogar.

 

Mir ist vor geraumer Zeit ein Satz begegnet, der immer noch nachhallt: „Wer meint, ein Schüler Jesu Christi könne sich zufrieden geben, ein nebenberuflich Kontemplativer zu sein, hat von der christlichen Existenz keine Ahnung“. Der Satz kommt mir etwas diktatorisch vor, aber nachdenk-

lich macht er schon. Ich übersetze ihn in meine Sprache: Habe ich eine Weise gefunden, mit Jesus vertraut zu werden und zu bleiben? Dieselbe Frage anders: Was tue ich, um die Beziehung zu einem Freund, zur Freundin, zum Mann, zur Frau lebendig zu halten? Gibt es eine ähnliche Bemühung in der Beziehung zu Jesus?

(Manche werden sich an „Don Camillo und Peppone“ erinnern - auf seine Art war dieser Mann im Gespräch mit Jesus.)

 

Wie kann so etwas aussehen? Das ist eine sehr persönliche Frage. Ich will nur antupfen:

 

  • Ein Ehepaar sagte mir: Wir lesen regelmäßig am Sonntag einen kurzen Abschnitt des Evangeliums miteinander und sprechen darüber. Das hält uns wach füreinander und für sein Wort und seinen Weg...
  • Es gibt die alte Empfehlung: Nimm ein Wort Jesu (oder den Vers eines Psalms) mit in den Alltag und wiederhole ihn oft und oft - er kann zum „Grundton“ werden, der gut tut und trägt...
  • Gibt es ein Lied, das von Jesu Weg, seinem Leben, seinem Sterben singt und dich anspricht? Sing es immer wieder - laut oder leise, summe es vor dich hin...
  • Hast du ein Bild in deinem Zimmer, das dich an ihn erinnert? Schau es an, immer wieder, gewinne es lieb...

 

Freundschaft kann eintrocknen, wie eine Pflanze, die kein Wasser bekommt. Es geht dann keine Freude mehr von ihr aus, keine Widerstandskraft gegen die Zugriffe des Alltags. ...

„Sie setzt sich ihm zu Füßen und hörte zu“...

 

Klaus Gräve MSC

(für telefonische Rückfragen und Anregungen:   02501-449411)

 

Das Ökumenische Bibelgespräch macht bis Mitte August eine kurze Sommerpause.

Bleiben Sie auch in dieser Zeit behütet mit Gottes Segen.