Ökumenisches Bibelgespräch digital

Das Ökumenische Bibelgespräch findet seit dem Januar 2021 digital statt, ab März im Abstand von 2 Wochen. Jeweils in der 1. und 3. Woche des Monats finden sie biblische Anstöße online auf den homepages der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde. Die älteren Texte sind dann noch im Archiv nachlesbar. So bleibt für den ökumenischen Weg die gemeinsame Orientierung an der Hl. Schrift möglich. Pater Klaus Gräve eröffnet dazu Zugänge zu Texten aus dem Lukas-Evangelium (Thema der Ökumenischen Bibelwoche 2021). Für telefonische Rückfragen steht er gerne zur Verfügung.

 

Ökumenisches Bibelgespräch 2021 (5)

 

„Unterwegs“ - Lukas 24,13-35

 

Wie hält der Glaube den Alltag aus - den Alltag der Tode, der Enttäuschungen? Alltag verschleißt, ermüdet. Was könnte ihn wachhalten? - Fragen dieser Art sind der Leitfaden des Lukas-Evangeliums. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die Emmaus-Geschichte. Sie spricht anders von Ostern als die anderen Evangelien.

 

13 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. 14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. 16 Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten.

17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, 18 und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. 20 Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. 21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. 22 Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 

23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. 24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen es gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.

25 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. 26 Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? 27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der Schrift über ihn geschrieben steht.

28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30 Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.

31 Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. 32 Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?

33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. 34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. 35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

 

Wir hatten doch mal gehofft! Aber die Enttäuschung ist groß! Gehn wir nach Hause!

Da kommt plötzlich ein Fremder dazu. Er sucht das Gespräch und stellt Fragen. Die Fragen gehen über in einen Vorwurf: „Begreift ihr denn nicht!“ - Was folgt ist „Nachhilfeunterricht“ in der Schule des Glaubens Israels: „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“

 

Wie könnt ihr vergessen, sagt er, aus welcher Geschichte ihr kommt! Es ist eine Geschichte der Enttäuschungen - gewiss (Enttäuschungen meist über euch selbst!), aber vor allem eine Geschichte der Entdeckung „ICH  BIN  DA“ - diese Urerfahrung am „Dornbusch“ (Buch Exodus/ 2. Mose 3,14), die Geschichte der Entdeckung Gottes, seiner Treue, seiner Begleitung in den Wüsten und Exilen eurer Wege. Der Jesus, über dessen Tod ihr trauert und enttäuscht seid, dieser Jesus gehört in diese Geschichte Israels mit seinem Gott - mehr noch: er ist der Höhepunkt der Zuwendung dieses Gottes zu den Menschen und ihrer Not.

 

Prägt sie euch ein diese Geschichte, seine Geschichte, geht mit auf diesem Weg, auf seinem Weg! Macht eure Erfahrung mit ihm!

Und dann: Der „Nachhilfeunterricht“ geht über in eine Mahlzeit (wie so oft im Lukas-Evangelium) - „er nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen“. Da gehen ihnen die Augen auf...

 

Diese Ostergeschichte ist anders als die der Maria von Magdala oder des Petrus. Es ist die Ostergeschichte der später Dazugekommenen, der „Christen zweiter Hand“ (wie einer gesagt hat). Christus erscheint nicht / aber sie hören von ihm und der Geschichte des Glaubens und der Hoffnung, aus der er kommt und die er bestätigt / und sie entdecken: er lädt uns ein, seinen Weg mitzugehen, der ins Weite führt / und auf dem Weg gibt es „Rastplätze“ zum Atemholen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, heißt es immer wieder, wenn wir zusammenkommen ...

 

Fragen: 1. Die frühen Christen nannten sich „Leute des Wegs“ (vgl. z.B. Apostelgeschichte 9,2). Wo erlebe ich heute Kirche als Gemeinschaft von Menschen unterwegs?

2. Kenne ich „Emmaus-Geschichten“ in meinem Leben? Wie sahen/sehen sie aus?

 

Klaus Gräve MSC

(für telefonische Rückfragen und Anregungen:   02501-449411)