Unser Sommerpfarrbrief liegt in den Kirchen aus

Der Sommerpfarrbrief liegt in den Kirchen zum Mitnehmen aus.

 

Tach zusammen!

Ein Pfingstpfarrbrief, der zu den Sommerferien erscheint – ein kleines Zeichen dafür, dass im Moment alles anders ist als sonst. Dieses verschobene Erscheinungsdatum ist ein Symbol für alles, was zurzeit „ver-rückt“, ist, und das im wahrsten Sinn des Wortes.

In diesen Tagen, in denen ich das Vorwort schreibe, gehen überall hunderte und tausende Menschen auf die Straße, weil sie gegen die Einschränkungen der Grundrechte in diesen Wochen protestieren. Dagegen kann man auf den ersten Blick nichts haben, im Gegenteil. Unsere Grundrechte sollten wir wachsam beschützen. Es ist sehr genau darauf zu achten, wie lange welche Beschränkungen notwendig sind oder geduldet werden dürfen.

Wir zahlen zweifellos einen hohen Preis, um gegen ein Virus zu kämpfen, das nicht außer Kontrolle geraten darf.

Doch dann stoßen in all dem Wirrköpfe offenbar auf offene Ohren, die z. B. verkünden, der Milliardär und Computerpionier Bill Gates würde mit Hilfe einer noch kommenden Impfung Mikrochips in unsere Hirne pflanzen wollen, um uns zu kontrollieren. Deswegen sei auch dieses Virus absichtlich menschengemacht. Bischöfe und Kardinäle unserer Kirche mutmaßen gar, eine mysteriöse Weltenregierung solle eingesetzt werden, die alle Macht an sich reißt. Bischofsviolett und Kardinalspurpur schützen eben nicht vor Dummheit, genauso wenig wie Schulbildung grundsätzlich immun macht gegen Verschwörungstheorien. Erschreckend ist das Maß geistig-mentaler Überforderung, die Menschen hier offenbar trifft, wenn der gewohnte Alltag fundamental in Frage gestellt ist − und wie surreal manipulierbar der Mensch wird, wenn er getroffen wird an seinem wundesten Punkt – dem Reflex der Frage: Wer ist schuld? Es tut sicher sein Übriges, dass nicht wenige durch gewisse politische Strömungen in den letzten Jahren schon durch populistische Denkmuster darauf geeicht worden sind, auf komplizierte gesellschaftliche Fragen mit „Lösungen ohne Sinn und Verstand“ zu antworten. Wenn ein amerikanischer Präsident empfiehlt, zur Vorbeugung gegen eine Ansteckung Desinfektionsmittel zu trinken und daraufhin in manchen Gegenden seines weiten Landes die Zahl von Vergiftungsfällen in die Höhe schnellt, sollte man sich eigentlich über gar nichts mehr wundern.

Wie dringend brauchen wir da eigentlich Pfingsten mit dem Heiligen Geist, mag man denken. Obwohl: gesunder Menschenverstand wäre allein auch schon was Tolles.

Und der Heilige Geist ist ja noch einmal um Wesentliches mehr als gesunder Menschenverstand.

Eine der Grundhilfen des Heiligen Geistes nach der Schrift ist ja, uns an alles zu erinnern, was Jesus gesagt und getan hat (Joh 14,21). Ich erinnere mich hier ganz besonders an das Wort Jesu: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ (Mt 7,1) Da geht Jesus genau auf den wunden Punkt ein, von dem ich eben sprach: der Reflex der Frage: Wer ist schuld? Kaum etwas hat das Potential, Menschen auseinanderzubringen und gegeneinander aufzubringen, wie der Reflex des Richtens. Alles, was Menschen auseinander und gegeneinander aufbringt, hat nichts Christliches in sich. Hier ist der Ansatz des Themas dieses Pfarrbriefes: „miteinander – füreinander“.

Zu Beginn der Pandemie hat das ja noch alles gut geklappt, wenn ich allein daran denke, wen wir da alles als „Helden“ in der Krise ausgemacht und beklatscht haben.

Jetzt gilt es, das durchzutragen, sich nicht verrückt machen zu lassen und Verstand und Herz nicht auszuschalten. Zuviel verlangt? Ich hoffe nicht.

Ein Dankeschön an das ganze Pfarrbriefteam, allen Autorinnen und Autoren, an Frau Wieskötter, die wieder die meiste Arbeit in dieses Druckerzeugnis gesteckt hat und an alle, die an der Verteilung mitgewirkt haben.

 

Ihr/ Euer
Mike Netzler, Pfarrer

 

Hier können Sie den Pfarrbrief herunterladen.