WN: Mika Springwald sprüht Porträts von Kardinal von Galen und Kaplan Poether - "Vorbilder für unsere Zeit"

Der Künstler Mika Springwald mittendrin und oben die helfenden Schülerinnen und Schüler: In einer Gemeinschaftsaktion von KvG-Gymnasium und Bernhard-Poether-Arbeitskreis wurden 110 Steinplatten mit Porträts von Kardinal von Galen, Kaplan Poether, und vereinzelt auch von Karl Leisner gesprayt. (Foto von Michael Grottendieck, WN)

(Quelle: WN Ausgabe Münster Hiltrup vom 29. Juni 2022. Von Michael Grottendieck)

 

Den Steinplatten ist anzusehen, dass sie eine Geschichte haben. Sie sind nicht neu. Sie haben sechs Jahrzehnte im Xantener Dom gelegen und wurden im vergangenen Jahr bei einer Restauration ersetzt. 110 dieser Bodenplatten haben den Weg nach Hiltrup geschafft. Staubig und voller Baudreck. Sie sollen nun herhalten für eine nicht alltägliche Kunstaktion.
Auf dem Schulhof des KvG sollen der Namensgebers der Schule, Kardinal von Galen, sowie der in Hiltrup aufgewachsene Kaplan Bernhard Poether völlig neu in Szene gesetzt werden. Dafür ist Mika Springwald angereist. Er ist ein Stencil-Künstler, der die Graffiti-Technik für seine Arbeiten nutzt: Mithilfe von Schablonen, den Stencils, sprayt er Gesichter auf Holzplatten, Straßenschilder oder eben Steinplatten. So schafft er gefragte Kunstwerke und versteigert sie oftmals für einen guten Zweck.

Local heroes

Er arbeitet mit Musikern wie den Fantastischen Vier, Campino oder Mark Forster zusammen. Seine Kooperation mit Nationaltorwart Manuel Neuer und dessen Stiftung läuft seit Jahren. Im April arbeitete er mit Thomas Gottschalk und Alexander Klaws zusammen, wie auf Instagram zu sehen ist. Er ist auch oft „für Kirche unterwegs“.
„Local heroes“ nennt der Künstler Mika Springwald die beiden Personen, um die sich bei dieser Kunstaktion alles drehen soll. „Vorbilder für unsere Zeit.“ Die beiden wolle er ins Hier und Jetzt holen, erklärt er. Ansprechbar machen für junge Leute – darum geht es ihm.
Das Hiltruper KvG ist die erste Schule, die 1946 nach Kardinal von Galen benannt wurde. Kaplan Bernhard Poether, der in Hiltrup aufgewachsen war, ist vor 80 Jahren im Konzentrationslager Dachau an den Folgen von Unterernährung und Folter gestorben.

Ansprechbar machen für junge Leute

Sieben Schülerinnen und Schüler hat Schulseelsorger Daniel Mittelstaedt trotz der angebrochenen Ferien ansprechen können für diese Sprühaktion. 110 Steinplatten zu besprühen bedeutet fast schon Akkord. Allein für das Gesicht von Bernhard Poether hat Mika Springwald fünf Schablonen angefertigt. Noch mehr Arbeitsgänge erfordert der Kardinal. Für das vorherige Schrubben der Platten sind sich einige Helferinnen vom Bernhard-Poether-Kreis nicht zu schade.

110 Steinplatten gesprayt

So geht es Hand in Hand. Mittelstaedt freut sich, wie gut die Gemeinde St. Clemens und das KvG kooperieren. Auch Pfarrer Ewald Spieker ist dabei. Als die Anzahl der fertigen Porträts zum Trocknen auf die Stufen zum Schuleingang gestellt werden, entsteht ein eindrucksvolles Bild.
„So etwas hat auch Mika Springwald noch nicht erlebt“, zeigt sich Monika Kaiser-Haas ganz beeindruckt. Der Selige Karl Leisner, der 1944 heimlich im Konzentrationslager Dachau zum Priester geweiht wurde, ist ihr Onkel. Die Hiltruperin engagiert sich für das Gedenken an Karl Leisner sowie an Kaplan Poether. Bereits im vergangenen Sommer hat sie eine ähnliche Aktion in Xanten organisiert.
Am Ende entstehen jeweils 50 Porträts von Kaplan Poether und Kardinal von Galen, dazu zehn Arbeiten mit einem Karl-Leisner-Porträt auf Steinplatten. Der Verkauf erfolgt auf dem Pfarrfest Ende August.
Zudem werden drei größere Poether-Porträts gesprüht. Ein Großbild des Kardinals ist für die künftige Bibliothek im Schulneubau bestimmt.

 

(soweit der Artikel in der WN von Michael Grottendieck)

Frau Kaiser-Haas vom Arbeitskreis Bernhard Poether hat die Aktion begleitet und diese Dokumentation erstellt.