Ökumenisches Bibelgespräch

 

Wir führen das Ökumenische Bibelgespräch in monatlichen Treffen fort mit dem Thema der

Ökumenischen Bibelwoche 2026

 

„Vom Feiern und Fürchten - Zugänge zum Buch Ester“.

 

Jeden 3. Dienstag im Monat laden wir Sie herzlich ein zu den Gesprächsabenden (18.30h-20.00h) mit den biblischen Texten ins Pfarrzentrum der kath. bzw. ev. Kirchengemeinde in Hiltrup (Themen u. Termine s.u.) mit Prof‘in Dr. Marie-Theres Wacker, Pater Klaus Gräve MSC, Prof. Dr. Norbert Mette, Monika Lepszy u. KD Müller. Auch an einzelnen Abenden Ihrer Wahl ist Ihre Teilnahme natürlich möglich; wir freuen uns darüber. Sie werden sich jeweils in den (digitalen) Medien u. in der Presse informieren können. (Begleitheft: www.bibelwerk.shop.de u. Buchhandel, 2,70 €;  Literatur: Christoph Levin, Das Alte Testament, Beck-Wissen 2160, 9.95 €)

 

So Bibel die „Seele der Pastoral“ und Ökumene die Zukunft der Kirchen ist, bleibt auch so für den ökumenischen Weg der Gemeinden in den notwendigen Reform-/Transformationsprozessen die gemeinsame Orientierung an der Hl. Schrift möglich. Dazu braucht es auch eine bibellesende Gemeinschaft; denn Christentum und Judentum sind von ihrem Wesen her Erinnerungs- und Erzählgemeinschaften. Sie leben von den rettenden Geschichten und Zeugnissen der Bibel - immer „heute“. So werden Bibeltexte lebendig, relevant, für das eigene Leben bedeutsam und führen zu wacher Zeitgenossenschaft.

 

In diesem Jahr geht es um Zugänge zum Buch Ester im Alten/Ersten Testament, in vielerlei Hinsicht eine herausfordernde Besonderheit in dieser Bibliothek Heiliger Schriften. Obwohl die Bibel in einem patriarchal geprägten Kulturraum entstanden ist, enthält sie 3 Bücher, die einen Frauennamen tragen: Rut, Judit u. Ester. Die Ester-Erzählung nimmt kein einmaliges historisches Ereignis in den Blick, sondern erzählt exemplarisch von struktureller Judenfeindschaft; die Wahrheit der Geschichte  liegt in ihren Themen. Ester u. ihr Cousin Mordechai sind Nachkommen jener Juden, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ins babylonische Exil verschleppt wurde. Ihr Leben ist gekennzeichnet von der Frage: Wie kann der jüdische Glaube in der Fremde, in der Diaspora überleben?  Ester, die Jüdin, wird zur Favoritin des persischen Königs; im Angesicht eines drohenden Pogroms entwickelt sie sich zur geschickten Kämpferin für die Rechte u. das  Überleben der jüdischen Minderheit. (Vgl. Text zur Ökumene im Pfarrbrief 2/2025 St. Clemens)

 

Die Geschichte erzählt eine Reihe von aktuellen Themen, von  Fragen, die sich den biblischen Schreibern ebenso stellen wie uns heutigen Lesern (so auch in der Formulierung der Ökumenischen Bibelwoche): nach Ehre, Schönheit, Haltung, Mut, Strategie, nach Opfern und Tätern und nach der Erinnerung:

 

-  „Ester. Jüdin, Königin, Retterin. Jüdisch leben unter prekären Bedingungen.“ Einführung in das        Buch Ester. - Prof‘in Dr. Marie-Theres Wacker,     Dienstag, 20. Januar 2026

-  „Eine Frage der Ehre“ / „Eine Frage der Schönheit“. Ein jüdischer Mann am persischen Hof / Eine jüdische Frau als persische Königin - Ester 1 + 2,  17. Februar .

-  „Eine Frage der Haltung“. Ein Plan zur Vernichtung des jüdischen Volkes  - Ester 3   > Was ist Antisemitismus?      17. März .

-  „Eine Frage des Mutes“. Esters Plan zur Rettung ihres Volkes - Ester 4 + 5,    21. April .

-  „Eine Frage der Strategie“. Gebannte Gefahr  - Ester 6-8.   > Antijudaismus: Christentum und Judentum,      19. Mai .

-  Das Alte/Erste Testament als religiöse Überlieferungsliteratur des Judentums: Vergangenheit als  Gottesgeschichte vergegenwärtigt; Schriftauslegung u. ihre Ansprüche religiöser u. politischer

Art,   16. Juni . 

  •  Mehr als eine Übersetzung: Die Zusätze der Septuaginta - Gottesbezüge u. theologische Reflexion - u.a. Ester 4,17a-z Gebete Mordechais u. Esters,    14. Juli ! . 
  • Eine Frage von Tätern und Opfern“. Gewalterfahrung und Gewaltausübung - Ester 8 + 9  >   Israel und die Völker; Religion und Gewalt,         15. September .

-  „Eine Frage des Erinnerns“. Das Fest der Juden: Purim - Ester 9 + 10  > Jüdische Feste,

20. Oktober . 

-  Gesprächsrunde zu den Themen dieses Ökumenischen Bibelgesprächs … ,  17. November .

 

Mehrfach wurde das hebräische Esterbuch (das wir zur Grundlage nehmen) ergänzt und neu gedeutet, sodass verschiedene Fassungen vorliegen. Im Judentum wird „Megillat Ester“, die

Ester-Rolle (eine der 5 Festrollen) an dem im Frühjahr gefeierten Purimfest vorgetragen, als Dank und Freude über die Bewahrung der jüdischen Gemeinde. Diese Erzählung verbindet Christen auch auf besondere Weise mit der Tradition ihrer jüdischen Geschwister.

Die Handlung erweist sich als hochaktueller Stoff. Nicht nur wird deutlich, wie tief die Wurzeln des Antisemitismus  in die Geschichte reichen. Vielmehr sind Parallelen zu  heute  wieder erstarkenden Politikstilen und zu Konfliktursachen erkennbar. Es erschreckt, wie Auseinander-

setzungen im 21. Jahrhundert dem alten „Drehbuch“ der Diskreditierung Andersdenkender,

der Stimmungsmache gegen Minderheiten, der emotionalen Polarisierung und des Machtmiss-

brauchs folgen.

 

In alledem stellt sich auch die Frage aller Fragen: Wo ist und bleibtGott in dieser Erzählung ?

 Das ist vielleicht die größte Herausforderung, die uns das Esterbuch zumutet. Gott erkennen und erleben in einer Geschichte, die nicht von Gott spricht (das sog. „Gottesschweigen“ in Ester). Gott suchen in einem Leben, in dem sich Gott oft nicht zeigt. Das Esterbuch fordert uns heraus, Gott im Leben zu deuten.  „Gott gibt uns zu wissen, dass wir leben müssen als solche, die mit dem Leben ohne Gott fertig werden. … Vor und mit Gott leben wir ohne Gott.“  In dieser herausfordernden Passage aus einem Gefängnisbrief Dietrich Bonhoeffers (1906-9.4.1945 im

KZ Flossenbürg) klingt eine Theologie, eine Rede von Gott an, die sich radikal auf dieses Leben einlässt und es dennoch nicht unterlässt, von Gott zu reden.

 

So wagen wir uns in diesem Jahr mit dem Esterbuch an herausfordernde Themen; wir wollen mit der Bibel und miteinander ins Gespräch kommen, auch fragend und zugleich einander bestärkend. Das wird sicher lebhaft werden, mit spannenden Entdeckungen. Wir freuen uns auf die Begegnung - Herzliche Einladung!

(KD Müller)