Ökumenisches Bibelgespräch

 

Ökumenisches Bibelgespräch

 

Die Kain-und-Abel-Erzählung ( Genesis 4 ) ist Teil der urgeschichtlichen Darstellung der großen Themen menschlicher Existenz u. Lebenswelt von Gen 1-11. „Sie ist die bekannteste Geschichte der Welt, denn sie ist jedermanns Geschichte“ (John Steinbeck, East of Eden).

Was sich hier an menschlichen Abgründen im Ausbruch der Gewalt, [1] des Brudermordes  als Sündenfall-Geschehen (V. 7) zeigt, stellt auch uns die großen Fragen:  Was ist der Mensch „jenseits von Eden“?  Wie steht es um den Menschen; ist er des Menschen Feind oder ist da noch anderes  - als Sehnsucht nach Leben, nach Zukunft? Was den Menschen böse macht? Das Böse der Welt als Frage nach Gottes Macht u. Ohnmacht im Weltgeschehen? Auseinandersetzung mit unserer Gotteswahrnehmung angesichts der abgründig-unbegreiflichen Urfragen nach dem Geheimnis von Leiden u. Bösem im menschlichen Leben u. in der Schöpfung (vgl Hiob)? Wie das Böse überwinden? Was ist - mit den biblischen Texten - die christliche Perspektive? … 

Geschwisterlichkeit (die „Brüderlichkeit“ in der Trias der franz. Revolution, in Schillers Ode an die Freude …) ist eine der anthropologischen Grundbestimmungen. Ob sie gelingt, das ist eine Grundfrage menschlichen Lebens, die sich Menschen aller Zeiten u. Länder stellt (vgl. die Gründersage Roms von Romulus u. Remus; auch dies ist die Geschichte eines Brudermordes).

In Genesis 4 scheint mit dem Mord an Abel zunächst die Vision von Geschwisterlichkeit verloren,

mit Kains Geschichte die Weltgeschichte als Siegergeschichte der Täter entworfen.

 Doch die biblische Botschaft geht weiter - mit Evas Protest in der Geburt eines neuen Kindes (vgl. Hannah Arendt‘s „Natalität“ als Grundbedingung menschlicher Existenz, „selbst einen neuen Anfang zu machen, d.h. zu handeln“).  Die Einsicht, dass es in der Geschichte Genesis 4 um

Mit-Menschlichkeit, um Solidarität geht, wird vom Erzähler mit der Erkenntnis Gottes verbunden: „In jener Zeit begann man, den Namen Adonajs/des Ewigen anzurufen“ (V. 26). Die Geschichte des ermordeten Abel geht weiter (vgl. Hilde Domin, Abel steh auf). Die Bibel  bietet hier in ihrer Leidenschaft für die Geschichte der Opfer eine Hoffnung, die nicht dem Bösen das letzte Wort überlässt; freilich  (das dunkle 20. Jahrhundert der (Welt-)Kriege u. der Shoa, die Gegenwart von Hass u. Gewalt, die aktuelle Erfahrung des Bösen … )  eine zerbrechliche, oft durchkreuzte.

Die Erzählung von Kain und Abel entfaltet ihre Wirkung, wenn wir als Leser:in zu ihr in Beziehung treten - als Anlass zu moralischem Handeln (vgl. Kant). Sie stellt uns die Frage, die Gott Kain stellt

(V. 9), damit wir Hüter unseres Bruders/Mitmenschen werden, „damit es anders anfängt zwischen uns allen“ (Hilde Domin), damit der Mensch nicht mehr zum Opfer der Gewalt, der Vernichtung durch das Böse unter Missachtung seiner Menschenwürde und Menschenrechte wird (vgl. Grundgesetz Art. 1 ff)!    Herzliche Einladung zum Gespräch mit diesem biblischen Text und seinen Fragen u. Anstößen für unser Mensch-/Christsein heute  am Dienstag, 18. Juni, 18.30h-20.00h im Pfarrzentrum St Clemens Hiltrup.    Karl-Dieter Müller

 

Wir führen das Ökumenische Bibelgespräch in monatlichen Treffen fort mit dem Thema der Ökumenischen Bibelwoche 2024

 

„Und das ist erst der Anfang … Zugänge zur Urgeschichte

 

Die - alten u. dennoch aufregend aktuellen - Texte nehmen Sie mit auf eine Entdeckungsreise durch spannende u. existenzielle Fragen menschlicher Wirklichkeit - auch in einer Welt von heute.  Jeden 3. Dienstag im Monat laden wir herzlich ein zu den Gesprächsabenden (18.30-20.00h) mit den Texten von Genesis (= 1 Mose) 1-11 ins Pfarrzentrum der kath. bzw. ev.  Kirchengemeinde. Die weiteren Termine sind: Dienstag 20.8, 17.9., 15.10. u. 19.11.2024. Auch an einzelnen Abenden Ihrer Wahl ist Ihre Teilnahme natürlich möglich; wir freuen uns darüber. Sie werden sich jeweils in den Medien der Gemeinden u. in der Presse informieren können.  (Leseempfehlung s.u.)

 

So Bibel die „Seele der Pastoral“ und Ökumene die Zukunft der Kirchen ist, bleibt auch so für den ökumenischen Weg der Gemeinden die gemeinsame Orientierung an der Hl. Schrift möglich. Um unsere Kirchen zukunftsfähig zu machen, gehört das Bibellesen als zentrales Element von Kirche u. Glauben essenziell dazu - als eine Ressource für Orientierung, Mut u. Innovation! Dazu braucht es auch eine bibellesende Gemeinschaft, die gemeinsam darum ringt, den Texten der Bibel gerecht zu werden und sie mit dem eigenen Leben zu verbinden. So werden biblische Texte relevant, für das eigene  Leben  bedeutsam und führen zu wacher Zeitgenossenschaft.

 

(Schaik/Michel, Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät/roro)